Bokel 3

Bokel

Zur Entwicklung des Ortsnamens

 

Der Ortsname Bokel hat im Laufe seiner Entwicklung zahlreiche verschiedene Schreibweisen gekannt: von Bůklo im Jahre 1369 bis zum heutigen Bokel. Die fünf wichtigsten Schreibweisen sind auf unseren prägnanten Feldsteinen vor der Dörpstuv gut sichtbar eingemeißelt.

Es gibt daneben noch einige weitere, aber nur wenig abweichende Formen. Erwähnt werden sollte, dass man es in den vergangenen Epochen mit der Orthographie nicht so genau nahm; so gibt es manchmal selbst im gleichen Text verschiedene Schreibweisen des Ortsnamens.

 

Über die Herkunft des Namens ist bei der mündlichen Überlieferung viel von dem Buckel, dem Liethberg, als Namensgeber für Bokel (Bockel) die Rede. Eine Erklärung, die, wenn man sich die Geländeverhältnisse betrachtet, auf den ersten Blick durchaus angebracht erscheint.

 

Wissenschaftlich sicherer sind jedoch die Ergebnisse der Sprachforschung. Hier geht man bei der Interpretation des Namens von der ursprünglichen Form Bůklo oder Bocklo aus: niederdeutsch/plattdeutsch Book in der Bedeutung = Buche und Loh = Hain, Gehölz; zusammen also Buchenhain oder Buchengehölz. Diese Namensinterpretation wird auch bei den meisten anderen Orten mit ähnlich klingenden Namen wie Bokholt, Bokhorst, Bokelrehm, Bokelsess, Boksee usw. angewandt. Bei unserem Bokel widerspricht dieser Deutung an sich nur der Standort. Sandiger, leichter Boden wie in Bokel ist von Natur aus sicherlich nicht der Standort der Buche, sondern dieser Baum liebt lehmigen, kalk- und nährstoffreichen Grund – also doch eine Fehlinterpretation?

 

Zu einer Lösung kann man kommen, wenn man die Geologie und die Flurnamen zu Hilfe nimmt. Von der Bodenqualität her bietet sich nur ein Fleck in Bokel als natürlicher Standort für Buchen an: Das ist das lehmhaltige Grundmoränengebiet nordwestlich des Mühlenteiches, das Flurstück Lohkamp mit einigen weiteren nördlichen und östlichen Ausläufern. Siedlungsgeschichtlich betrachtet gehört es zu den ersten genutzten Fluren im Ort. Hier in diesem Raum waren die ersten Höfe, hier war offenkundig der Kern der Besiedlung des kleinen Dorfes.

 

Vielleicht gab es am Rande der trockenen, großen östlichen Heideflächen und zur anderen Seite hin, am Rande der weiter westlich und tiefergelegenen großen Moorflächen ein weithin sichtbares, prägnantes hochgewachsenes Buchengehölz, das Namensgeber war für den kleinen Ort, der heute Bokel heißt.

 

Ortsnamen sind wertvolles Quellenmaterial allgemein historischer und kulturgeschichtlicher Art. Ein Überblick über die Orts-, aber auch die Flur- und Gewässernamensforschung in Schleswig-Holstein von den Anfängen bis heute ist sehr vielschichtig und gibt die verschiedensten Aufschlüsse. Das Interesse an diesen Namensbegriffen ist in der Bevölkerung weit verbreitet und schon seit dem Mittelalter zu beobachten.

 

Man kann an den Ortsnamen, die in der Regel meist die ältesten schriftlichen Überlieferungen darstellen, vieles ablesen. Sie sind durchweg älter als die Flurnamen und gehen oftmals, ähnlich wie die Gewässernamen, über Jahrhunderte hinweg zurück. Man kann an ihnen zum Beispiel die Bodenbeschaffenheit, den Bewuchs, die Form des Terrains, die Entstehungsart der Siedlung oder ähnliches ablesen. Ein gleichermaßen wertvolles Quellenmaterial stellen auch die Flurnamen dar, obwohl sie eben meist jüngerer Natur sind. Beide sind von großem Wert für die Sprachgeschichte, besonders für die Mundartforschung. Um Orts- und Flurnamen als Quellen in der geschilderten Form auswerten zu können, bedarf es einer sprachwissenschaftlichen Bearbeitung und Deutung, die meist nur der Fachmann vornehmen kann.

 

Text: Helmut Trede, Chronist

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